Walther Petri „Die Malerin Renate Thea Schmidt“  (Auszug)

… Ohne die tiefgründige Reflexion der inneren und äußeren Welt, ohne Bezug zu Philosophie und Religion sowie dem Aufspüren des Eros als künstlerische Triebkraft sind ihre Bilder nicht vorstellbar.

… In einer Werkgruppe, wo die Malerin figürliche und abstrakte Elemente zusammenfügt, entsteht eine für ihre Arbeit charakteristische geheimnisvolle Spannung, in der eine Substanz aufscheint, die uns einbezieht in die alte Erkenntnis, dass zwischen Himmel und Erde mehr geschieht als sich unsere Schulweisheit träumen lässt.

In hohem Maß werden die innersten Beweggründe der Malerin in ihren Bildern transzendent, selbst dort, wo abstrakte flächige und geometrische Zeichen sich miteinander verbinden. Höchste Intensität wird aber nicht nur durch den Einsatz etwa leuchtend roter oder blauer Farbe und brennendem Orange erzielt, sondern ebenso in Bildern, die kompositorisch kühn aus sich zusammenballenden Linien und Spannungsbögen gestaltet sind. Immer sind feinste grafische Elemente einbezogen, die das sensitive Geschehen auf der Leinwand poetisch verstärken.

… Ohne die Erfahrung schmerzenden Verlusts und überwältigender Leere sind Renate Thea Schmidts Bilder undenkbar, weil sie von der Polarität menschlichen Unglücks und dem Verlangen nach Erlösung und Harmonie getragen werden.

Sie hat zahlreiche Bilder geschaffen, in denen magische Tierfiguren, Fische und ein gekrönter Widder beispielsweise, im Mittelpunkt stehen. Das sind höchst eigenständige Werke, die an Max Beckmanns Triptychen erinnern und wahlverwandt Grundpositionen von Beckmann aktualisieren. …

Heike Welzel, Rede zurAusstellung in der Condat-Galerie (Auszug)

… Den thenatischen Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens, mit dem sie als Autodidaktin begann und bis dato kontinuierlich und konsquent ausgebaut hat, formuliert die Darstellung des Menschen, des Tieres und der Landschaft. Innerhalb diese Themenkanons bleibt die Künstlerin nicht den alltäglichen und vordergründigen Vorgaben der sichtbaren und allzu banal-handgreiflich verstandenen Realität verhaftet. Vielmehr entwickelt sie als künstlerischen Gegenentwurf eigenständige, symbolhafte Bildwelten, die oftmals bis in die geheimnisvollen Abgründe vergangener Zeiten oder in die unendlichen Tiefen ursprünglicher, archaischer Kulturen zurück zu reichen scheinen.

So begegnen wir in ihren Menschenbildern keinen mimetischen oder objektiven Alltagspersonen, sondern mehrdeutigen Sinnbildern der Weiblichkeit, die in warmen Erdfarben, feurigen Goldtönen und geistigen Blautönen gehalten sind. Schon die ebenmäßigen Gesichtszüge, aus denen uns dunkle, ausdrucksvolle Augen anblicken, lassen uns mit ihren idealisierten Stilisierungen an ewige Antlitze erinnern, wie man sie beispilesweise von den ägyptischen Mumienbildnissen oder den transzendenten Heiligenbildnissen der Ikonenmalerei kennt. (…)

Diese assoziative Aura wird durch Attribute, welche die Frauenfiguren als symbolische Beigaben begleiten, unterstrichen. Beispielsweise sieht man immer wieder den Fisch… Unwillkürlich werden erotische, aber auch spirituelle Verweise hervorgerufen. So kam dem Fisch als Heilsbringer oder als Ausdruck von Hoffnung auf ein entsprechendes Jenseits in der Tiersymbolik altorientalischer und ägyptische Kulturen beziehungsweise als Zeichen für Christus in der christlichen Ikonografie eine bedeutende Rolle zu.

Diese komplexe Tiersymbolik wird auch auf weiteren Bildern der Künstlerin subjektiv ausgedeutet und in ein eigenständiges, bisweilen fantastisches Formvokabular gefasst. (…)

Aber nicht nur die Bildmotive werden durch Spuren der Vergangenheit und dem verinnerlichten Gedächtnis ursprünglicher Kulturen geprägt, sondern auch in der oftmals haptischen, fühlbaren Faktur deuten sich magische Abdrücke oder mystische Relikte an. Diese Indizien einer vergangenen oder aber einfach nur einer anderen Wirklichkeit zeigen sich in Form von Kratzern, Ritzen, Schraffierungen oder Kerben, wie man sie auf Felswänden längst vergessener oder wiederentdeckter Höhlen beobachten kann und durchbrechen und vitalisieren die Glätte der zweidimensionalen Bildfläche. (…)